Tollkühne Raser in selbstgebastelten Kisten: Wie aus dem Seifenkarton ein Rennauto wurde

Sie wollen die Ersten sein - tollkühne Jungs in ihrer Seifenkiste. Foto: André Kempner

Sie wollen die Ersten sein – tollkühne Jungs in ihrer Seifenkiste. Foto: André Kempner

Jedes Jahr im Frühling ruft in Leipzig der Berg, der Fockeberg. Tollkühne Männer, Frauen, Jungen und Mädchen heizen in ihren coolen Kisten seine Kurven hinunter. Auch, wenn manche der Fahrzeuge aussehen wie alte Sofas. Das Seifenkistenrennen, eigentlich Prix de Tacot (Tacot, so heißen ganz alte Autos) genannt, startet am 6. Mai. Alle Seifenkisten sind Marke Eigenbau, haben lediglich Lenkung und Bremse und müssen mit eigener Muskelkraft betrieben werden.

Eine Seifenkiste darf keinen Motor haben. Beim Fockeberg-Rennen geht es allerdings nicht nur um Bestzeiten, sondern um richtig coole Kisten. Je kreativer, desto besser. Tüftlergeist ist gefragt, um ein möglichst schmuckes Gefährt auf die Räder zu stellen. Denn so eine Seifenkiste zu bauen, ist gar nicht so einfach. Und was hat sie eigentlich mit Seife zu tun?

Darum geht es

Seifenkisten sind meist aus Holz gebastelte kleine Fahrzeuge mit vier Rädern, mit denen Rennen gefahren werden. Sie haben keine Motoren, sondern gewinnen dadurch an Fahrt, dass die Rennstrecke leicht bergab führt. Dadurch können die Seifenkisten fast so schnell werden wie Autos in der Stadt. Die Fahrer lenken die Seifenkisten mit Lenkseilen oder Ähnlichem.

Wer hat‘s erfunden?

Die Seifenkisten kommen aus den USA. Die Begeisterung für sie ist quasi zu uns herübergerollt. Ihren Namen haben die kleinen Fahrzeuge einem  amerikanischen Fotografen zu verdanken, der vor langer Zeit Kinder ablichtete, die gerade solche Fahrzeuge bauten. Weil sie dafür Kisten verwendeten, in denen ursprünglich Seifen und Käse transportiert worden waren, nannte besagter Fotograf die Kinderwagen „soap boxes“, das bedeutet auf Deutsch Seifenkisten. Er hätte sie aber genauso gut „Käsekisten“ nennen können. Auch haben die Kinder alte Blechwannen auf Räder gesetzt oder ausrangierte Puppenwagen umfunktioniert.

Das Hobby wurde immer beliebter – und immer professioneller. In Amerika findet bis heute jedes Jahr eine Weltmeisterschaft im Seifenkistenrennen statt. Auch in Deutschland entwickelte sich daraus ein richtiger Sport.

Geschichte

Das Seifenkisten-Fahren ist uralt. Es fing damit an, dass Väter mit ihren Söhnen Rennautos der bekannten damaligen Rennfahrer nachbauen wollten. Heute fahren selbstverständlich auch die Mädchen mit. Oberursel bei Frankfurt am Main gilt als die Geburtsstätte der Kinderautomobil-Rennen in Deutschland. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam der US-amerikanische Seifenkistensport so richtig nach Deutschland. Die ersten großen Seifenkistenrennen der Nachkriegszeit fanden im Jahr 1949 statt. Amerikanische Soldaten, die in Deutschland stationiert waren, haben den deutschen Kindern ihr Hobby gezeigt. Und diese waren schnell fasziniert.

In den 1950er-Jahren haben ganze 60 000 deutsche Kinder an Seifenkistenrennen teilgenommen, beteiligt waren 214 Städte. In Stuttgart schauten sogar 20 000 Menschen bei den Rennen zu. Nach und nach ließ die Faszination aber nach. Heute gibt es zwar noch Seifenkistenrennen, aber die meisten von ihnen sollen einfach nur Spaß machen. So wie das Seifenkistenrennen auf dem Fockeberg!

Schlingel-Tipp:

Prix de Tacot – Das Leipziger Seifenkistenrennen
Sonntag, 6. Mai 2018
ab 11 Uhr am Fockeberg in der Leipziger Südvorstadt (Fockestraße)

Infos unter seifenkiste.nato-leipzig.de

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