Fernsehtipp für heute Abend: „Atempause“: Wenn plötzlich alles anders ist

Esther Baumann (Katharina Marie Schubert) am Bett ihres Sohnes Hannes Baumann (Mikke Rasch) in einer Szene des Films „Atempause“, der am 14.06.2017 im Ersten ausgestrahlt wird Foto: Volker Roloff/MDR/ARD/dpa

Der ganz normale Alltag einer ganz normalen Familie wird durch einen zunächst harmlos aussehenden Unfall komplett durcheinandergebracht. Und verändert das Leben aller Beteiligten von Grund auf. Darum geht es in dem Film „Atempause“, der am Mittwoch (14. Juni, 20.15 Uhr) im Rahmen der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ im Ersten zu sehen ist.

Eine Familie irgendwo in Leipzig: Mutter Esther (stark: Katharina Marie Schubert) und Vater Frank (großartig: Carlo Ljubek) leben getrennt, ihre beiden Kinder wohnen bei der berufstätigen Mama. Bei einem Fussballspiel wird ihr neunjähriger Sohn Hannes (Mikke Rasch), der im Tor steht, von einem Ball getroffen und kurz darauf ohnmächtig. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass der Junge schon länger ein Aneurysma im Kopf hatte und durch den Aufprall eine Hirnblutung verursacht worden ist – Hannes fällt ins Koma und wird daraufhin für hirntot erklärt.

Esther wirft ihrem Mann vor, dass er den Sohn mit älteren Jungs hat spielen lassen, während er ihr sagt, dass Hannes durch ihr Zuspätkommen abgelenkt worden sei. Wie auch immer: Den Jungen, der den Ball geschossen hat, trifft keine Schuld – und die Eltern natürlich auch nicht. Es war ein grauenvoller Unfall.

Esther glaubt fest daran, dass Hannes wieder gesund wird, während Frank im Krankenhaus in einem Raum der Stille eine Zuflucht sucht. Der selbstgefällige Großvater (Jürgen Heinrich) denkt, dass er mit seinem Geld eine Heilung seines Enkels bezahlen kann, was seinem Sohn Frank nicht möglich ist, da er nie Geld hat. Dann wird der kleine Yusuf mit auf das Zimmer von Hannes gelegt. Seine türkische Großfamilie sorgt sich ebenfalls sehr um ihren kranken Sohn.

Der Film geht wirklich an die Nieren, da er nichts beschönigt und Tabuthemen wie Glaubensvielfalt, Organspende und Tod in den Mittelpunkt rückt. Er ist ein glaubhaftes Kammerspiel, bei dem es um verzweifelte Grenzsituationen geht, aber auch um unbändigen Lebenswillen und den Zusammenhalt einer Familie, die unvermittelt in einen Ausnahmezustand gerät.

Zu sehen sind Schauspieler, deren Gesichter man nicht so oft im Fernsehen sieht – was bedauerlich ist, hier aber einen Glücksfall darstellt. Denn man nimmt ihnen ihre Rollen durchgehend ab, weil sie sie gar nicht zu spielen, sondern zu leben scheinen: All der Schrecken, der Kampf um das Kind, bis hin zum Loslassenkönnen verkörpern sie mit eindringlicher Intensität.

Regisseurin Aelrun Goette (50, „Keine Angst“, „Im Zweifel“, beide ARD) ist ein berührender Film von beachtlicher Relevanz gelungen. „Ich glaube, dass Katastrophen auch die Chance zur Veränderung in sich tragen – und dazu gehören Schmerz und Abschied“, sagt sie. „Um zu lernen, was es heißen kann, ein Mensch zu sein, müssen wir uns auf existenzielle Erfahrungen einlassen. In unserer durchoptimierten Welt fürchten wir uns jedoch vor nichts so sehr wie vor Schwäche.“

Schwächeln darf der Zuschauer hier nicht: „Atempause“ ist ganz sicher keine solche – Durchatmen ist am Ende angesagt. Bei aller Traurigkeit, die sich durch den Film mit seinen differenziert gezeichneten Figuren zieht, ist er sehr lebensbejahend. Dass ein Film, der über solch einen Schicksalsschlag erzählt, um 20.15 Uhr im Hauptprogramm gezeigt wird, ist unbedingt zu begrüßen. Also: Bitte einschalten!

Klaus Braeuer/dpa

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