
Cornelia Steinert und Olivia (8 Wochen) im Wickelraum des Karstadt Kaufhauses. Foto: Christian Nitsche
Mütter kennen das Problem: Kaum sind sie unterwegs, bekommt ihr Kind Hunger und sie müssen nach einem ruhigen Ort zum Stillen suchen. Zahlreiche Geschäfte in der Innenstadt haben sich auf die jungen Familien eingestellt und Wickel- und Stillräume eingerichtet. Jenifer Hochhaus hat gemeinsam mit Cornelia Steinert und deren neun Wochen alter Tochter Olivia einige davon getestet.
Los geht’s bei Karstadt und damit – so viel sei schon verraten – beim späteren Testsieger. Bereits auf den Informationstafeln im Erdgeschoss ist der Wickelraum mit einem kleinen Symbol angekündigt; mit dem Fahrstuhl können Mütter mit Kinderwagen in den dritten Stock fahren. “Das ist auch etwas, das einem erst als Mutter auffällt: Ich kann nur noch in Geschäfte gehen, in denen es einen Fahrstuhl gibt. Auf der Rolltreppe kommt man mit einem Kinderwagen nicht weit”, erzählt Steinert und schiebt den Wagen samt Olivia in Richtung des Wickelraums, der etwas abseits vom Geschäftstrubel liegt. “Für die Kinder ist es besser, wenn es ruhig ist”, sagt Steinert, “insofern ist es gut, dass der Raum etwas abgelegen ist.”
Das Zimmer begeistert die Mutter. “Es gibt ein Fenster, der Raum ist groß, es sind zwei Sessel zum Stillen da und über den Wickelablagen hängen sogar Mobiles, so dass sich die Kinder ablenken können”, zählt sie die Vorteile auf. Zudem ist der Raum freundlich gestaltet: Von den Rollos blicken lachende Babys, auf dem Boden liegen bunte Teppiche. “Und es gibt ein Waschbecken, das ist sehr schön”, sagt die junge Mutti, die aber auch einen Nachteil kennt: “Es ist oft voll hier, der Raum ist sehr beliebt. Mir hat ihn auch eine andere Mutter empfohlen.” Für alle Eltern, die die Windeln mal vergessen haben, hat die 28-Jährige noch einen Tipp: Bei der Drogeriekette dm im selben Gebäude gibt es auch eine Wickelmöglichkeit, bei der sogar Windeln und Feuchttücher zur Verfügung gestellt werden. “Da ist alles da, was man braucht”, sagt sie.
Dann geht es weiter: Deutlich kleiner, aber ohne Fahrstuhlfahren erreichbar, ist der Stillraum in der gegenüberliegenden Petersbogen-Apotheke. “Hier hat man auf jeden Fall seine Ruhe, weil nur eine Mutter mit Kind in den Raum passt”, nennt Steinert einen der Vorteile. Aber genau das ist heute eben auch ein Nachteil. Denn das Zimmer ist bereits besetzt, wie das “Hier wird gestillt”-Schild an der Türklinke verrät. Steinert kennt den Raum bereits und damit auch seinen größten Nachteil: “Er ist sehr klein, man muss den Kinderwagen eigentlich draußen lassen”, sagt sie. “Und ich finde es immer besser, wenn ich den Wagen noch im Blick habe.”
Das ist im nächsten Stillraum kein Problem: Bei der Bekleidungskette H&M besteht in der Kinderabteilung neben den Umkleidekabinen die Möglichkeit für Mütter, ihr Kind zu wickeln oder zu stillen. Mit roter Wand sieht die Kabine zwar auf den ersten Blick sehr einladend aus, aber für mehrere Mütter samt ihrer Kinderwagen ist es hier relativ eng. Ein weiterer Nachteil: “Es gibt kein Waschbecken, das ist schon ein wenig unpraktisch”, sagt Steinert, der bereits das Betreten der Kabine Schwierigkeiten bereitet hat. Wie bei einer normalen Umkleidekabine musste sie den Kinder wagen durch eine Schwingtür bugsieren. Dafür ist die Kammer gut ausgestattet, auf einem Sessel können Mütter sich zum Stillen hinsetzen. Auch im Familieninfobüro der Stadt am Burgplatz gibt es die Möglichkeit, sein Baby zu wickeln oder zu stillen. “Ich habe mir das aber noch nicht angesehen”, sagt Steinert. Das Problem: Wenn sie in der Grimmaischen Straße oder Petersstraße unterwegs ist und Olivia fängt an zu schreien, muss es meist schnell gehen. “Dann habe ich die fünf Minuten nicht mehr, um bis zum Burgplatz zu laufen”, sagt die Mutter. “Aber demnächst will ich mich dort informieren, dann schaue ich mir die Räume gleich mal an.”
Deshalb geht es dieses Mal noch zu Breuninger. Auch hier müssen Mütter zunächst mit dem Fahrstuhl in eins der oberen Geschosse fahren, dort ist der Wickelraum direkt bei den Toiletten zu finden. In gelb, rot und orange ist der Raum einladend gestaltet; es gibt mit Wickelablage, Waschbecken, Sessel und Hocker alles, was zum Stillen und Wickeln notwendig ist. “Aber ganz so einladend wie bei Karstadt ist es nicht”, resümiert Steinert. Dies mag vor allem an den fehlenden Pflanzen und Mobiles liegen. Das kann selbst die Musik, die durch das Zimmer schallt, nicht ändern. “Die stört auch eher”, sagt die TestMutti und erklärt: “Beim Stillen lassen sich viele Kinder schnell ablenken. Da ist es besser, wenn es ruhig ist.”
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Der Test ist im Baby-Schlingel 2012, dem Sonderheft des LVZ-Familienmagazins, erschienen.
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