
Volkskrankheiten auf der Spur: Für die LIFE-Child-Studie werden 15.000 Kinder und Jugendliche aus Leipzig untersucht. Foto: dpa
Leipzig. Auf der Suche nach den Auslösern von Zivilisationskrankheiten vermessen Leipziger Mediziner demnächst ganze Schulklassen. 15.000 Kinder und Jugendliche – gesunde und kranke – sollen ab September im Rahmen des LIFE-Child-Projektes untersucht werden, wie Professor Wieland Kiess, Leiter der Uni-Kinderklinik, am Donnerstag sagte. Die Forscher wollen herausfinden, wie Umwelt und Lebensgewohnheiten schon bei Kindern Volkskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder Allergien beeinflussen.
Die Untersuchungen reichten von Blutdruckmessungen über einen 3D-Bodyscan bis hin zu Fragen zum Lebensumfeld. 150 verschiedene Methoden haben die Mediziner im Repertoire. “Wir sammeln einen Riesenwust an Daten”, sagte Prof. Kiess. “Wir wollen nicht nur herausfinden, was Kinder krank macht, sondern auch, was Kinder schützt und sie gesund hält.” Es sei wichtig, dass möglichst komplette Klassen untersucht werden, um die gesamte Gesellschaft abzubilden.
Kinder und Jugendliche werden zehn Jahre lang begleitet
Die Wissenschaftler glauben, dass seelische Gewalt, Mobbing und körperliche Auseinandersetzungen in der Schule als wichtige Faktoren bei der Entstehung von Volkskrankheiten wie Übergewicht oder psychischen Störungen gelten. Um dies herauszufinden, sollen die Kinder und Jugendlichen über zehn Jahre begleitet werden.
Die Teilnahme an der Langzeitstudie ist freiwillig. Mit einem gewissen Schwund sei natürlich zu rechnen, sagte Kiess. Sein Team geht davon aus, dass in zehn Jahren noch 60 Prozent der Probanden mitmachen.
10.000 Leipziger werden ab September angeschrieben
LIFE-Child ist ein Teilprojekt des groß angelegten Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE). Dieses hatte sich bei einer Landesexzellenzinitiative des Freistaats Sachsen durchgesetzt und wird mit 38 Millionen Euro gefördert.
Bis 2013 sollen beim LIFE-Projekt rund 30.000 Menschen untersucht und zu ihren persönlichen Lebensbedingungen befragt werden. Mitte August zählte die im Februar eröffnete Erwachsenenambulanz in der Philipp-Rosenthal-Straße bereits den 1000. Besucher. Mittlerweile wurde die Probephase beendet und der Routinebetrieb gestartet. Ab Anfang September sollen 10.000 Leipziger angeschrieben und um ihre Teilnahme an deutschlandweit einmaligen Projekt gebeten werden.
dpa/Robert Nößler, LVZ-Online






